Die Geschichte der Architektur

Der Baumeister - Architekt und Universalgenie
Seit die Menschen sesshaft wurden, spielt die "Behausung" eine wichtige Rolle. Bereits in den frühen Hochkulturen Mesopotamiens, Ägyptens, Indiens und Chinas waren der Städtebau und die Architektur von großer Bedeutung. Im klassischen Griechenland kam es zu Höchstleistungen der Baukunst. Die griechischen Tempelbauten beispielsweise waren in der Geschichte der Baukunst immer wieder Vorbild und sind es bis heute geblieben.

Der historische Beruf des Baumeisters umfasste alle Tätigkeitsfelder des Bauens. Nicht selten war der Baumeister auch noch Maler, Bildhauer, Dichter und Gartenkünstler, kurzum Universalgenie. Namen wie Leonardo Da Vinci oder Michelangelo sind bis heute jedermann gekannt. Architektur galt als die Mutter der Künste.

Renaissance: Landschaftsarchitektur als neues Berufsbild
Als in der Renaissance und im Barock Parks und Gärten immer bedeutender wurden, verselbstständigte sich als erstes der Beruf des Landschaftsarchitekten. Adel und Großgrundbesitzer wünschten sich gestaltete, repräsentative Gärten und Parkanlagen. Später stellte die gesellschaftliche Entwicklung die Landschaftsarchitektur vor neue Herausforderungen: Die industrielle Revolution führte zu einer explosionsartigen Ausweitung vieler Städte, und damit wuchs das Bedürfnis nach öffentlichen Gärten und Grünflächen, die von Landschaftsarchitekten geplant und gestaltet wurden.

Mit der Industrialisierung: der Bauingenieur als Partner des Architekten
Mit der Entwicklung der Wissenschaften und Bautechniken kam es zunächst in Frankreich Ende des 18. Jahrhunderts zur Gründung der Ingenieurschulen und zur Abspaltung des Berufs des Bauingenieurs, der mehr und mehr die Berechnung des Tragwerks übernahm und bis heute ein enger Partner des (Hochbau-) Architekten ist.

Ein "junges" Berufsbild: Innenarchitekten
In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts kam es zur Spezialisierung der Innenarchitektur und des Designs mit einer eigenen Ausbildung. Hintergrund dafür waren anspruchsvolle Bauwerke des Bürgertums sowie ein großer Bedarf an gewerblichen Bauwerken wie Hotels, Kaufhäusern und Messebauten.

Neue Aufgaben im 20. Jahrhundert: Stadtplanerinnen und Stadtplaner
Der Städtebau bzw. die Stadtplanung als eigene Disziplin entstand in den Jahren 1910 - 1920, als in Folge der Industrialisierung das unkontrollierte, explosionsartige Anwachsen der Städte in geordneten Bahnen gelenkt werden musste. Die Ausbildung erfolgte jedoch nach wie vor noch in den Architekturfakultäten.

In den 50er Jahren wird die Spezialisierung immer intensiver und führte in den 60er Jahren zu eigenen Studiengängen und in den letzten Jahren zu einem in den Baukammergesetzen rechtlich abgesicherten Beruf. So sind im Laufe der historischen Entwicklung vier Berufe entstanden, der Beruf des Architekten, des Stadtplaners, des Landschaftsarchitekten und des Innenarchitekten mit je eigener Ausbildung. In Nordrhein-Westfalen sind diese Berufsbezeichnungen gesetzlich geschützt, Architekten aller Fachrichtungen sind in der Architektenkammer NW vereint.

Bei den Architektenkammern in Deutschland sind heute rund 110.000 Architekten registriert. Eine sehr hohe Zahl in Bezug zur Gesamtbevölkerung: In der BRD plant - statistisch gesehen - ein Architekt für 750 Einwohner, in den Niederlanden ist ein Architekt für 1.800 Einwohner da, in Frankreich beträgt das Verhältnis 1 : 2.200.