Innenarchitekten:
Gestalter zwischen Form und Funktion

Innenarchitektinnen und Innenarchitekten stehen besonders stark im Spannungsfeld von Architektur und Gestaltung, von Kunst, Handwerk und Industrie, von Form und Funktion. Sie sind der Idee der Gesamtgestaltung verpflichtet und entwickeln funktionsgerechte Raumkonzepte. Sie schaffen Räume, in denen man sich wohlfühlt.

Innenarchitektur damals und heute
Die historischen Wurzeln der Innenarchitektur kann man wohl im Kunsthandwerk früherer Prachtbauten sehen. Spätestens seit dem Barock haben Möbelstilisten, Stuckateure und Textilkünstler die Entwürfe der Architektur mit beeinflusst. Im Biedermeier und später im Jugendstil hat sich diese Entwicklung eindrucksvoll fortgesetzt. Mit Gründung des Deutschen Werkbundes und des Bauhauses zu Beginn des vorigen Jahrhunderts entwickelte sich eine ganzheitliche Sicht von Architektur, Kunst und Design unter dem Einfluss der zunehmenden Industrialisierung. Die Möglichkeiten der industriellen Fertigung von Einrichtungsgegenständen wie Möbel, Leuchten oder gar ganzer Küchenzeilen und der Wunsch noch individueller Gestaltung führten zur Entwicklung des Berufsbildes heutiger Innenarchitekten. Somit haben sich Innenarchitektinnen und Innenarchitekten der Idee der Gesamtgestaltung verpflichtet. Sie schaffen Räume, in denen Funktion und Atmosphäre zu einer Einheit verschmelzen.

Berufsbild und Aufgabenfelder

Für Innenarchitekten entwickelt sich die Architektur aus dem Innenraum heraus: Sie klären die Bedürfnisse der Nutzer und die Ansprüche an die Funktionen der Räume. Auf dieser Grundlage modernisieren, sanieren und bauen sie bestehende Gebäude um. Gemeinsam mit dem Auftraggeber legen sie die Raumkonzeption und Proportion fest. Sie wählen Farben und Materialien aus und berücksichtigen die Integration technischer Ausrüstungen. Die Planung umfasst die Gesamtheit des Raumes einschließlich Lichtplanung, Entwurf individueller Einbauten u. v. m. bis hin zum kleinsten Detail. Zu den typischen Aufgaben gehört z. B. die Gestaltung von Verkaufsräumen, Gastronomieräumen, Hotels, Banken und Verwaltung, Kinos, Theatern, Messeständen und Wohnungen. Innerhalb eines Auftrages gehören die Ausarbeitung technischer Lösungen, die Überwachung der Bauleistungen mit der zugehörigen Kosten- und Terminkontrolle, Feststellung von Mängeln und deren Beseitigung und Verhandlungen mit Genehmigungsbehörden ebenso zu den Leistungen wie die kreativen Aspekte.

Spezialgebiete
Einige Innenarchitekten entscheiden sich für Spezialgebiete wie Produkt- oder Möbelentwicklung (vom Einzelmöbel bis zu ganzen Serien). Schiffs- oder Wagon-Innenausbau oder die Planung von Film- oder Bühnenausstattungen. Im Zusammenhang mit den neuen elektronischen Medien entwickelt sich die Gestaltung virtueller Räume zu einem neuen Betätigungsfeld.

Gefordert: Kreativität und Verantwortungsbewusstsein
Der Innenarchitekt steht gegenüber seinem Bauherrn voll in der Verantwortung und haftet für seine Planung und deren Realisierung. Wenn Innenarchitekten am Bau tätig sind, müssen sie über die entsprechenden Vorschriften und Normen informiert sein und mit Handwerkern fachlich sprechen können. Es ist wichtig, neben Kreativität und technischem Interesse, Organisationstalent sowie kaufmännisches und juristisches Grundwissen zu entwickeln. Eine ständige berufliche Fortbildung ist daher unabdingbar.