Stadtplaner: Visionäre, Gestalter und Gesprächspartner


In einer Stadt oder auch in einem Dorf leben so viele Menschen auf engem Raum, dass dieser Lebensraum besonders sorgfältig geplant, organisiert und betrieben werden muss. Hier streiten verschiedene Interessen um Flächen, Raum, Gestaltung des Raumes und die Raumnutzung. Stadt besteht aus Architektur und Bebauung, aus öffentlichem und privatem Raum, aus Straßen, Nahverkehrssystemen, Wasserversorgung und Entwässerung. Mit den Bauwerken verbindet sich aber auch das städtische Leben, das sich zum Beispiel durch den Verkehr (und seine Probleme) erst entfalten kann. Ob Chancen und Aufgaben für die Zukunft optimal genutzt, gefördert und gelöst werden können, hängt von politischen Einsichten, vom Verantwortungsbewusstsein und Engagement der Entscheidungsträger, von ihrer Risikofreude und ihrem Weitblick ab. Stadtplanung schafft die Grundlagen, Entscheidungen über die Zukunft, insbesondere über deren bauliche Strukturen, vorzubereiten. Stadtplanung ist somit sowohl eine räumlich-gestalterische, als auch zeitlich-organisatorische Vorbereitung zukünftiger Stadtstrukturen. Sie zeigt die Wege auf, wie diese Strukturen erreicht werden können, wie sie aussehen sollen und welche Konsequenzen dies für Menschen, materielle Güter und andere zu berücksichtigende Funktionen hat.

Das Zusammenleben und -wirken der Menschen stellt eine besondere gesellschaftliche Kultur dar. Hierzu gehört sicher eine "Baukultur", zu der auch eine fest verankerte "Planungskultur" zu zählen ist.


Berufsbild und Aufgabenfelder

Stadtplanung ist eine ganzheitliche Aufgabe. In der Stadtplanung werden sowohl lokale Gestaltungsmöglichkeiten (etwa ein Platz oder eine neue Wohnsiedlung) behandelt als auch die Frage, wie sich eine Stadt (oder sogar eine Stadtregion wie etwa das Ruhrgebiet) in den nächsten zehn bis 20 Jahren entwickeln soll, und welche Schritte dafür unternommen werden müssen. Für beide Arbeitsebenen muss der Stadtplaner ein weites Verständnis der technischen Grundlagen, kultureller Werte, Zusammenhänge und Bedeutung der Interessen und der sozialen Aufgaben der Städte haben.

Je nach Aufgabe kann Planung eher gestalterisch-kreativ oder auch funktional-analytisch-wissenschaftlich gelöst werden. Beim Entwurf für einen Stadtteil etwa fließen alle Aspekte ein. Die Flächennutzungsplanung einer Stadt etwa ist jedoch eher eine funktionale Aufgabenstellung.

In der demokratischen Gesellschaft hat der Stadtplaner die Aufgabe, Entscheidungen durch fachliche Arbeit vorzubereiten und mit Bürgern, Politikern und Interessensvertretern über die Aufgabe zu sprechen. Er muss Lösungen entwickeln und vorschlagen, die dann umgesetzt werden können. Bei dieser Arbeit muss der Planer, obwohl er auch Einzelinteressen berücksichtigen kann, das für die Gemeinschaft beste Ergebnis suchen.

Stadtplanung: eine vielfältige Aufgabe
Zu den Aufgaben gehören kreativ-gestalterische Themen (vergleichbar zu Architekten, jedoch im Maßstab des Stadtteiles). Stadtplaner sind aber auch Berater, Moderator und Vermittler.

Zunächst gibt es gesetzlich vorgeschriebene Planungen, die von Städten und Regionen erarbeitet werden müssen. Grundlage hierfür ist das Bau- und Planungsrecht des Bundes und der Länder. Bei diesen Planungen müssen Verfahren und Inhalte nach genau vorgeschriebenen Regeln erarbeitet werden. In Nordrhein-Westfalen sind dies auf großräumiger Ebene die sogenannten "Gebietsentwicklungspläne", die für Regionen (etwa den Raum Köln) erarbeitet werden. Die Städte und Gemeinden müssen ein langfristiges Entwicklungskonzept, den "Flächennutzungsplan" erarbeiten, der für etwa 15 Jahre konzipiert und dann ständig fortgeschrieben wird. Auf dieser Grundlage können für einzelne Baugebiete genaue Vorschriften, wie dort gebaut werden darf, entwickelt und verabschiedet werden. Diese "Bebauungspläne" gelten wie ein Gesetz. Solche Ortsgesetze können auch für andere Zwecke, etwa zur Festlegung von Denkmalbereichen oder für Gestalterische Vorschriften für ein Gebiet (Gestaltungssatzung), erarbeitet werden.

In der sogenannten "informellen" Planung werden weitere Pläne und Konzepte erarbeitet, die in einer Stadt oder Gemeinde für wichtig sein können. Es können zum Beispiel "Stadtentwicklungspläne", "Städtebauliche Rahmenpläne" oder Pläne für einzelne große Bauvorhaben sinnvoll sein. Für die Gestaltung der Straßen und Plätze oder des Wohnumfeldes können Konzepte entwickelt werden. Für große Vorhaben werden Entscheidungsgrundlagen für die Standorte und die Auswirkungen auf die Stadt und Natur und Umwelt (Umweltverträglichkeitsstudie) benötigt.

Schließlich sind über die Erarbeitung von Plänen hinaus die Kommunikation über die Planung und auch die rechtliche und organisatorische Vorbereitung städtebaulicher Entwicklungen wichtig. Beide Arbeitsfelder können nicht andern Spezialisten, etwa Juristen, überlassen werden, sondern müssen von den Fachleuten für die Stadt selbst wahrgenommen werden. Das Arbeitsfeld der Beratung wird immer wichtiger. Stadtplaner bereiten Beteiligungsverfahren vor, moderieren und organisieren sie und steuern Projekte. Immer mehr gewinnen Projektentwicklung und Vorhaben bezogene Bebauungspläne in Zusammenarbeit mit privaten Investoren an Bedeutung.

Arbeitgeber: Behörden, Kommunen, private Investoren
Stadtplaner und Stadtplanerinnen arbeiten in oder für Behörden des Bundes, der Länder sowie von Städten und Gemeinden oder ihrer Verbände und Organisationen. Auftraggeber sind auch private Gesellschaften oder private Bauherren.

Stadtplaner sind entweder bei den Behörden und Institutionen beamtet oder angestellt (in Nordrhein-Westfalen etwa 40 %) oder in freien Büros selbstständig oder angestellt (etwa 55 %). Häufig kombinieren die Büros Aufgaben der Architektur und des Städtebaus.